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Rumänien im Januar 2016 - Ute Heberer berichtet:

Ute Heberer: "Ich wollte mir die aktuelle Situation in Rumänien mit eigenen Augen ansehen, und so habe ich Anfang Januar 2016 eine Reise angetreten.

Die erste Station war Bukarest bei minus 10 Grad. Eine pulsierende Stadt mit unglaublichem Verkehrsaufkommen. Gedränge und Staus fast rund um die Uhr. Auch hier leben Hunde. Der eine oder andere lief direkt vors Auto – nein – sie haben durchaus nicht alle gelernt mit dieser Form des Verkehrs umzugehen. Nur durch Vollbremsungen mit der Gefahr, Massenkollisionen auszulösen, haben wir die Hunde nicht überfahren. Man sah ihnen am Gangbild aber an, dass manche Begegnungen mit einem Auto nicht so harmlos verliefen. Sie humpelten oder liefen auf 3 Beinen.

Das romantische Bild der freilebenden Hunde, was gerne in den Medien verteilt wird, zeigt sich in dieser Stadt leider nicht. Wen ich kennenlernte war ein Ehepaar, das selbst im Existenzminimum lebte, weil es im Laufe der gemeinsamen Jahre immer wieder solche verunfallten Straßenhunde bei sich aufnahm und gesund pflegte. Überall auf dem großen Grundstück sind Hunde, sicher und relativ frei, viele mit Zugang zum Haus, was sie gerne bei diesem Wetter annehmen. Insgesamt 35 Hunde leben bei diesen rumänischen Menschen, die sagen, was sollen wir denn tun? Wieder auf die Straße setzen, jetzt wo es ihnen so gut geht?

 

Danke Veronica und Romeo Paun für Eure Gastfreundschaft und Offenheit!

Die nächste Station war eine private Tierpension, in der einheimische Menschen ihre Fundtiere sicher unterbringen und dafür aus eigener Tasche bezahlen, um sie vor den städtischen Hundefängern zu bewahren damit sie nicht in Tötungslager gebracht werden.Wir fanden dort über 300 Hunde, liebe süße freundliche überschwängliche mit der Hoffnung auf ein besseres Leben, und armselige räudige Kreaturen, alte resignierte ängstliche mit totem Blick, die mit ihrem Leben abgeschlossen hatten. Den Kranken darunter haben wir schnelle Hilfe versprochen, und schon 2 Tage später zog der erste in eine Klinik um, wird behandelt, operiert und danach die Reise nach Deutschland antreten, denn einen anderen Weg der Hilfe gibt es für diese Hunde nicht.

 

Älterer Rüde, fast skelettiert . . .

Weiter auf meiner Reise sah ich insgesamt noch 2 Pferdefuhrwerke, hektischer Verkehr, schnelle Autos – besinnliche ruhige Fahrten auf Rumäniens Straßen vorbei an Kutschen sind lange vorbei. Am Straßenrand lagen tote Hunde, die dem Verkehr nicht mehr gewachsen sind. Wir sahen aber auch durchaus Hunde, die ein gewisses Territorium verteidigten, meist in der Nähe von Häusern, und die für diesen Dienst gefüttert wurden. Ganz unromantisch war der Anblick von Hündinnen mit vollem Gesäuge, die herumirrten und Futter für sich und den Nachwuchs suchten, von dem doch kaum einer überlebt.

So führte uns die Reise in ein städtisches Tierheim, in dem zur Zeit 2000 Hunde leben. Ich lernte viele engagierte ehrenamtliche einheimische Tierschützer kennen, die alles Menschenmögliche tun, um die Lebenssituation der Hunde dort zu verbessern.

Conny Haag begleitete mich auf der Reise, hier mit Aniela, gute Seele vor Ort

Sie starten Hilferufe über die Medien für einzelne Tiere, und so reisen Hunde nach ganz Europa aus, die einzige Chance, die Zahl der Hunde und somit die Situation der einzelnen verbliebenen zu verbessern. Denn es kommen täglich neue nach. Rumänien will seine Straßen von den Hunden befreien. Hundefänger werden pro Hund bezahlt, den sie einfangen. Pro Woche 30 Hunde kommen so in dieses Tierheim. War vor ein paar Jahren der Bestand noch rund 500 Hunde so hat sich die Zahl in kurzer Zeit schon vervierfacht, trotz weltweiter Unterstützung und Aufnahme von Hunden.

Einer von vielen Zwingern voll mit Welpen, viele davon werden den Winter nicht überleben . . .

Das Futter wird komplett von deutschen Tierschutzvereinen bezahlt. Auch ein Tierarzt kümmert sich täglich um die Tiere dort so gut er kann, bezahlt von deutschen Tierschutzvereinen. Und doch ist es ein Tropfen auf den heißen Stein. Immer wieder bekommen die ehrenamtlichen Helfer vor Ort Hausverbot und tagelang sind die Tiere unversorgt. Die beiden städtischen Angestellten kümmern sich kaum um die Tiere, sie wären auch heillos überfordert. Sauber gemacht wird kaum. Wir hatten das Glück, dass der Boden gefroren war, unvorstellbar, wenn dieser Frost taut. Ich kann und will es mir nicht vorstellen, in welch einer Gülle die Hunde schutzlos stehen . . . Auch dort haben wir 2 Notfällen Soforthilfe versprochen, sie werden in den nächsten Tagen abgeholt und in der privaten Pension aufgenommen und behandelt, bevor sie ihre Reise nach Deutschland antreten.

Alle diese Hunde waren einmal Straßenhunde, die vielleicht sogar ein kurzes zufriedenes Leben mit Futterplatz hatten, bis der Hundefänger kam. Und alle ach so glücklichen Straßenhunde sind permanent dieser Gefahr ausgeliefert.Zumal "Straßenhund" kein selbstgewähltes Leid ist von Hunden, die frei geboren sind und frei leben. Es sind oft Hunde, die ein Zuhause hatten, ausgesetzt wurden und nicht in der Lage sind, sich selbst zu ernähren.

Diese beiden wurden im Wald ausgesetzt und werden seit Jahren von einem Tierschützer gefüttert.

So kamen wir in den Norden Rumäniens, die Temperatur ging glücklicherweise von minus 17 Grad bei unserer Ankunft auf milde minus 3 Grad Celsius hoch. Wir verbrachten einen ganzen Tag in einem Tierheim mit rund 400 Hunden, ein städtisches Tierheim, geleitet in Kooperation mit einem rumänischen Tierheim und einem deutschen Tierschutzverein. Hier herrschen fast idyllische Zustände. Die Hunde haben viel Platz, haben menschliche Zuwendung, gutes Futter, warme trockene Schlafplätze. Kein Grund zum Weinen gab es hier, mit Kranken- und Quarantänestation sowie eigener Tierarztpraxis wurde ein Standard entwickelt, der in Rumänien kaum noch einmal zu finden ist.

Gute Seele Meli vor Ort, Tag für Tag und Jahr für Jahr lebt sie hier für die Hunde.

Und doch auch hier kommen pro Monat 30 neue Hunde von den Hundefängern, weitere Privatabgaben kommen noch dazu. Um diesen Standard zu halten und die Lebenssituation für die schwer vermittelbaren Hunde zu sichern, sind Transporte nach Deutschland unumgänglich. Die Hunde bekommen Essensreste aus einem Gefängnis, in das Hundefutter eingeweicht wird. Sie sind rund und gesund und erstaunlich ruhig und friedlich.

Auf der Rückreise besuchte ich das größte Tierheim der Welt, vor diesem Besuch hatte ich am meisten Angst! Mittlerweile 6000 Hunde leben dort aufgrund der Gesetzesänderung. Es ist Besuchern nicht gestattet, die endlosen Reihen der Hundezwinger zu besichtigen, um den Hunden weiteren Stress zu vermeiden, da es sonst zu tödlichen Beißereien kommt. Mein Glück, denn so konnten mich keine flehenden Hundeaugen verfolgen.

Was ich sehen konnte war eine saubere Klinik mit routiniertem Personal und erfahrenen Tierärzten. Die große supersaubere Krankenstation, eine vorbildliche Quarantänestation, isolierte schöne Welpentrakte, und der Bereich der täglichen Neuzugänge, eine Schreinerei, Futterlager, und einen großen Kochplatz im Freien mit vielen Bottichen. Dort wird nachts das Futter für die rund 500 Welpen gekocht, Hühnchen mit Reis und etwas Welpenfutter.

Einer der Welpenzwinger in der SMEURA

Eine unglaubliche logistische Meisterleistung eines einzelnen deutschen Tierschutzvereines, der dieses Tierheim betreibt. Unfassbarerweise wurde direkt vor dieses Tierheim mitten im Wald ein städtisches Auffanglager gebaut, mit EU-Geldern subventioniert. Obwohl aufgrund von weitreichenden Kastrationsaktionen vor Ort der Bestand an Straßenhunden deutlich reduziert werden konnte, werden dort nun auch Hunde gefangen. Der Verein ist nun in der Not, wöchentlich dort die Hunde abzuholen, die nach 14 Tagen euthanasiert werden würden.

Viele davon tragen Ohrmarken, sind also Tiere, die zuvor von dem Verein kastriert und wieder auf die Straße gesetzt wurden. Dies ist aufgrund der Gesetzeslage nun nicht mehr erlaubt. Diese unglaubliche Menge an Hunden abzufangen gelingt dem Verein nur, in dem er wöchentliche Transporte nach Deutschland zu kooperierenden Tierheimen fährt.

Die allermeisten dieser Hunde finden sehr schnell ein neues oder erstes Zuhause, die meisten haben mit der wohnlichen, kulturellen und sozialen Umstellung keinerlei Probleme. So lange es noch einen Absatzmarkt für Tausende von Wühltischwelpen bei uninformierten Menschen gibt, so lange findet sich auch ein Platz für einen ehemaligen Straßenhund. Die einzige Alternative vor Ort wäre die Euthanasie. Sicher könnte man diese Variante diskutieren, aber es gibt Filmaufnahmen von solchen Verbrechen. Den Hunden wird Luft oder Frostschutzmittel in die Venen gejagt, sie werden mit Pech übergossen oder erschlagen. Die verzweifelten und schmerzerfüllten Todesschreie der Hunde aus diesen Filmen lassen mich nicht mehr schlafen. . . . NEIN! Der Tod ist keine Alternative!

Ich lief durch die Reihen von Tausenden von Hunden, alleine in 5 Tagen, sie bellten, schrien und jaulten. "Ich bin hier . . . ich bin hier . . .ich bin hier . . .!" Ich habe nur einen Bruchteil des Elendes der Tierheime in Rumänien gesehen. Habe viele tierliebe Menschen kennen gelernt, Hoffnung auf Veränderung erfahren! Ich habe vielen Hunden in die Augen gesehen, tief in die Seele geblickt. All denen versprach ich weinend Hilfe. Bitte unterstützen Sie uns auch weiter, damit ich mein Versprechen einlösen kann. . . ."

Ute Heberer

Folgend noch ein paar Videoeindrücke:

1) Friedliche Stimmung im Tierheim von Miercurea Ciuc https://www.youtube.com/watch?v=wQn_VzZxZWM

2) Viel Platz, Sichtschutz, ausreichend Futter und Zuwendung - mehr brauchen Hunde nicht (Miercurea Ciuc) https://www.youtube.com/watch?v=OJ3PE0vHtO8

3) + 4) Größtes Tierheim der Welt und mit, aufgrund der Gesetz, inzwischen über 6000 Hunden https://www.youtube.com/watch?v=ytQewuiB-HY und https://www.youtube.com/watch?v=cb1yY1QKmTQ

5) Neu gebautes städtisches Shelter - direkt vor der Smeura https://www.youtube.com/watch?v=N7W_GnVSCIo

6) Sie darf bald nach Deutschland kommen! https://www.youtube.com/watch?v=rzVn6e0_9wQ